Starkes Zeichen für Kinder und Jugendliche: Seminar des Kreisfeuerwehrverbandes Regen in Bodenmais

Vergangenen Samstag (18.April) fand im Glück-auf-Saal in Bodenmais das Seminar „Kinder und Jugendliche in Ausnahmesituationen“ statt, das vom Kreisfeuerwehrverband Regen organisiert wurde. Zu Beginn begrüßten der Vorsitzende des KFV-Regen, Heinrich Mühlbauer, der stellvertretende Bürgermeister des Marktes Bodenmais, Jochen Koller, sowie Kreisbrandinspektor Christian Stiedl die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit bewegenden Worten. Bereits in der Eröffnung wurde deutlich, dass die Veranstaltung weit über klassische Feuerwehrthemen hinausging. Im Mittelpunkt standen wichtige gesellschaftliche Herausforderungen, bei denen Prävention, Aufklärung und menschliche Unterstützung eine entscheidende Rolle spielen.

Zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen waren der Einladung gefolgt, darunter Vertreterinnen und Vertreter der Kinder- und Jugendfeuerwehr, der psychosozialen Notfallversorgung, Schulen sowie weiterer Einrichtungen. Das große Interesse zeigte eindrucksvoll, wie aktuell und bedeutsam die behandelten Themen sind.

Den ersten inhaltlichen Schwerpunkt setzte Herr Finkeldei mit einem ebenso eindrucksvollen wie tiefgehenden Fachvortrag über das Projekt „Kurswechsel“ der AETAS Kinderstiftung. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Frage, welche gravierenden Folgen traumatische Erlebnisse auf Kinder und Jugendliche haben können. Besonders dann, wenn junge Menschen mit Suizid, plötzlichem Tod, schwerer Gewalt oder anderen erschütternden Ereignissen im familiären Umfeld konfrontiert werden, geraten sie häufig in seelische Ausnahmesituationen, die von außen nicht immer sofort erkennbar sind.

Das Projekt „Kurswechsel“ setzt genau an dieser Stelle an. Es begleitet betroffene Kinder, Jugendliche sowie deren Bezugspersonen und hilft ihnen dabei, wieder Orientierung, Halt und emotionale Stabilität zu finden. Herr Finkeldei machte deutlich, dass Hilfe in solchen Situationen nicht nur unmittelbar nach dem Ereignis erforderlich ist. Je nach Schwere der Belastung kann Unterstützung über viele Monate hinweg notwendig sein – in manchen Fällen sogar bis zu einem Jahr nach dem Geschehen. Gerade diese langfristige Begleitung sei von großer Bedeutung, da viele Reaktionen erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar würden.

Mit hoher fachlicher Kompetenz, großer Empathie und eindrucksvollen Praxisbeispielen verstand es Herr Finkeldei, die oft verborgenen seelischen Belastungen junger Menschen sichtbar zu machen. Kinder drücken Trauer, Angst und Überforderung häufig anders aus als Erwachsene. Rückzug, auffälliges Verhalten, Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme oder emotionale Sprachlosigkeit seien oftmals Ausdruck innerer Not. Deshalb sei es besonders wichtig, solche Warnsignale frühzeitig zu erkennen und sensibel darauf zu reagieren.

Besonders bewegend war seine Darstellung, wie wichtig verlässliche Bezugspersonen in Krisenzeiten sind. Kinder brauchen Menschen, die zuhören, Sicherheit vermitteln und ihnen das Gefühl geben, mit ihren Sorgen nicht allein zu sein. Gleichzeitig betonte Herr Finkeldei, dass auch Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie weitere Helfende eine zentrale Rolle spielen können, wenn sie aufmerksam, verständnisvoll und unterstützend handeln. Für die anwesenden Fachkräfte hatte der Vortrag daher einen hohen Praxisbezug. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten sich von der Intensität und Aktualität des Themas tief beeindruckt. Es gelang Herrn Finkeldei, fachliche Inhalte verständlich zu vermitteln und zugleich emotionale Tiefe zu erzeugen. Damit setzte er einen wichtigen Impuls für mehr Aufmerksamkeit gegenüber Kindern in Krisensituationen.

Ein weiterer bedeutender Programmpunkt des Seminartages war der Vortrag von Carina Trauner zum Thema Drogen und Suchtgefahren. Dabei wurde besonders auf die Risiken für Kinder und Jugendliche eingegangen und aufgezeigt, wie schnell junge Menschen in eine Abhängigkeit geraten können. Deutlich wurde, dass dieses Thema längst nicht nur Großstädte betrifft, sondern auch im Bayerischen Wald aktueller denn je ist. Vor allem Jugendliche unterschätzen häufig die Gefahren und sehen den Konsum zunächst als harmlos oder gesellschaftlich normal an.

Im Vortrag wurden zudem die verschiedenen Arten von Drogen erläutert. Dazu zählen pflanzliche Drogen wie Cannabis oder Tabak, halbsynthetische Drogen wie Heroin oder LSD, die aus natürlichen Stoffen gewonnen und chemisch verändert werden, sowie synthetische Drogen wie Ecstasy, Amphetamine oder Crystal Meth, die vollständig künstlich hergestellt werden. Auch Alkohol wurde als eigenes und besonders verbreitetes Suchtmittel thematisiert. Gerade weil Alkohol gesellschaftlich akzeptiert und leicht erhältlich ist, wird seine Gefahr oftmals unterschätzt. Viele Kinder und Jugendliche kommen dadurch bereits früh mit diesem Suchtmittel in Berührung.

Ebenso wurde deutlich gemacht, dass es heutzutage erschreckend einfach geworden ist, an solche Substanzen zu gelangen. Kontakte im Freundeskreis, Feiern, soziale Medien oder das Internet erleichtern den Zugang erheblich. Anhand verschiedener Beispiele wurden auch die körperlichen und psychischen Folgen des Konsums erklärt.

Besonders betont wurde, wie leicht Kinder und Jugendliche schrittweise abrutschen können. Oft beginnt eine gefährliche Entwicklung mit dem Gedanken, „nur einmal zu probieren“ oder regelmäßigem Alkoholkonsum am Wochenende. Deshalb sind frühzeitige Aufklärung, offene Gespräche im Elternhaus sowie rechtzeitige Hilfe von großer Bedeutung, um Suchtentwicklungen vorzubeugen und junge Menschen vor langfristigen Folgen zu schützen.

Neben diesen gesellschaftlich wichtigen Themen stellte der Kreisfeuerwehrverband Regen auch sein verstärktes Engagement im Bereich Brandschutzerziehung vor. Ein neues Konzept soll Kinder frühzeitig für Gefahren im Umgang mit Feuer sensibilisieren und ihnen richtiges Verhalten im Notfall vermitteln. Verantwortlich für den Fachbereich ist Nadine Lang, unterstützt von den Brandschutzerzieherinnen Alexandra Roth und Sandra Aichinger.

Im Mittelpunkt der Brandschutzerziehung stehen Themen wie Brandverhütung, das richtige Verhalten im Brandfall, das korrekte Absetzen eines Notrufs sowie das Kennenlernen von Flucht- und Rettungswegen. Durch praktische Übungen, anschauliche Experimente, den Einsatz eines Rauchhauses und Besuche bei örtlichen Feuerwehren sollen die Inhalte kindgerecht und nachhaltig vermittelt werden. Ziel ist es, Wissen nicht nur theoretisch zu vermitteln, sondern durch praktische Erfahrungen dauerhaft zu verankern.

Wie wichtig diese Arbeit ist, zeigen Zahlen aus Bayern. Im Jahr 2017 starben 60 Menschen durch Rauch, Feuer und Flammen. Viele Opfer sterben dabei nicht unmittelbar durch das Feuer, sondern an Rauchgasvergiftungen. Darüber hinaus werden jährlich zahlreiche Menschen verletzt, nicht selten mit schweren gesundheitlichen Langzeitfolgen. Auch mangelndes Wissen im Ernstfall bleibt ein Problem. Laut einer Befragung von mehr als 10.000 Schülerinnen und Schülern wusste jeder fünfte Jugendliche keine Notrufnummer. Zudem entstehen rund neun Prozent aller Brände durch Brandstiftung, wovon etwa 35 Prozent von Kindern und Jugendlichen verursacht werden.

Mit dem Ausbau der Brandschutzerziehung setzt der Kreisfeuerwehrverband Regen daher bewusst auf Prävention, mehr Sicherheit im Alltag und zugleich auf die Gewinnung künftiger Nachwuchskräfte für die Feuerwehren.

Das Seminar im Glück-auf-Saal in Bodenmais zeigte eindrucksvoll, wie breit das Engagement des Kreisfeuerwehrverband Regen aufgestellt ist. Ob Unterstützung nach traumatischen Erlebnissen, Aufklärung über Suchtgefahren oder vorbeugende Brandschutzerziehung – der rote Faden des Tages war klar erkennbar: Kinder und Jugendliche brauchen Schutz, Orientierung, Wissen und starke Partner an ihrer Seite. Genau dafür setzt sich der Verband mit großem Engagement ein.

Text: Lang Nadine & Trauner Carina / KFV Regen
Bilder: Maier Patrick / KFV Regen

Meldung vom: 21.04.2026