Am Samstag, den 21. März 2026, fand in Altnußberg ein ganztägiges Seminar des Kreisfeuerwehrverbandes Regen statt. Ab 9:00 Uhr nutzten zahlreiche Führungskräfte und Feuerwehrdienstleistende aus dem gesamten Landkreis die Gelegenheit, ihr Wissen in den Bereichen Vegetationsbrandbekämpfung sowie rechtliche Grundlagen im Einsatzdienst zu vertiefen.
Zum Auftakt begrüßten der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Regen, Kreisbrandmeister Heinrich Mühlbauer, sowie Kreisbrandmeister Thomas Märcz die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Referenten.
Fachvortrag der Polizeiinspektion Viechtach
Den ersten Themenblock übernahm Polizeihauptkommissarin Karin Przewloka von der Polizeiinspektion Viechtach. In ihrem praxisnahen Vortrag beleuchtete sie die rechtlichen Rahmenbedingungen im Feuerwehrdienst, insbesondere das Feuerwehrgesetz sowie Sonder- und Wegerechte. Dabei wurde deutlich, wie wichtig es ist, bei Einsatzfahrten stets die Verhältnismäßigkeit zu wahren.
Anhand aktueller Beispiele und Gerichtsurteile zeigte sie die möglichen Konsequenzen von Fehlverhalten auf. So wurde unter anderem ein Fall aufgegriffen, bei dem ein Feuerwehrangehöriger mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in einer 30er-Zone unterwegs war.
Besonders eindrucksvoll waren die Zahlen zum Unfallrisiko: Bereits ohne Sondersignale ist dieses bei Einsatzfahrten deutlich erhöht, mit Blaulicht und Martinshorn steigt es sogar auf ein Vielfaches an.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der zunehmenden Gewalt gegenüber Einsatzkräften. Die dargestellten Zahlen belegen eine kontinuierliche Steigerung der Vorfälle in den vergangenen Jahren. In diesem Zusammenhang wurde die Bedeutung einer professionellen Kommunikation hervorgehoben. Aufbauend auf dem Eisbergmodell wurde verdeutlicht, dass neben der verbalen auch die nonverbale Kommunikation eine entscheidende Rolle spielt. Ein höfliches, transparentes und zugleich bestimmtes Auftreten sowie das Beachten von Deeskalationsstrategien sind daher im Einsatz unerlässlich.
Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung im Landkreis Regen
Im Anschluss widmete sich Kreisbrandmeister Ludwig Sperl dem Thema Vegetationsbrandbekämpfung im Landkreis Regen. Der theoretische Teil wurde dabei durch eine anschauliche und praxisnahe Vorführung der Feuerwehr Auerkiel ergänzt, wodurch die Inhalte greifbar vermittelt werden konnten.
Im Mittelpunkt stand das im Landkreis etablierte Konzept der sogenannten Waldbrandsätze. Diese orientieren sich an den Vorgaben der Feuerwehrschulen und werden strategisch im Landkreis vorgehalten. Neben der entsprechenden Ausstattung wurden auch die besonderen Anforderungen an Schutzkleidung und Atemschutz bei Vegetationsbränden erläutert, die sich deutlich von klassischen Brandeinsätzen unterscheiden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der strukturierten Einsatzorganisation. Hierzu zählen unter anderem der Einsatz digitaler Karten und Führungsmittel, eine klare und einheitliche Kennzeichnung von Einsatzbereichen sowie ein durchdachtes Löschmittel- und Personalmanagement. Ebenso wurde die wichtige Rolle externer Kräfte, beispielsweise aus der Forst- oder Landwirtschaft, hervorgehoben, die im Einsatzfall wertvolle Unterstützung leisten können.
Darüber hinaus wurde die Bedeutung einer gesicherten Versorgung der Einsatzkräfte betont – sowohl im Hinblick auf Material als auch auf die körperliche Belastung der Einsatzkräfte. Eine funktionierende Kommunikation sowie eine gezielte Aus- und Fortbildung auf Landkreisebene bilden dabei die Grundlage für einen erfolgreichen Einsatz. Durch angepasste Alarmierungsstrukturen können die erforderlichen Einheiten im Ernstfall schnell und effektiv zum Einsatz gebracht werden.
Abschluss mit Führung im Observatorium Wettzell
Am Nachmittag führte der Weg der Teilnehmer zum Geodätischen Observatorium Wettzell. Bei einer fachkundigen Führung erhielten die Feuerwehrdienstleistenden einen umfassenden Einblick in die Arbeit dieser international bedeutenden Forschungseinrichtung.
Das Observatorium zählt zu den weltweit führenden Stationen im Bereich der Erdvermessung und leistet einen wichtigen Beitrag zur Bestimmung von Erdrotation, Plattentektonik und globalen Referenzsystemen. Besonders beeindruckend waren die verschiedenen Messanlagen, darunter großdimensionierte Radioteleskope sowie hochpräzise Lasermesssysteme.
Im Rahmen der Führung wurde anschaulich erklärt, wie durch modernste Technik kleinste Bewegungen der Erdoberfläche erfasst und ausgewertet werden können. Die Teilnehmer konnten dabei nicht nur die technischen Anlagen aus nächster Nähe betrachten, sondern auch die komplexen Zusammenhänge verständlich vermittelt bekommen.
Die Besichtigung bot somit einen spannenden Blick über den Tellerrand des Feuerwehralltags hinaus und rundete den Seminartag in gelungener Weise ab.











